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Suche nach den Sahnestückchen Modehaus Schmitt – in der Rheinpfalz 2019

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Suche nach den Sahnestückchen

Modehaus Schmitt – in der Rheinpfalz 2019

Herrenausstatter Markus Schmitt beschäftigt 24 Angestellte. Mehrmals im Jahr ist
er auf Modemessen unterwegs, um neue Kollektionen zu sichten. Die Männer seien
emanzipierter geworden, sagt Schmitt. Er spricht von 60 Prozent „Männerkäufen“.

VON HEIKE KLEIN – RHEINPFALZ Di, 10.12.2019
„Wow, der Mann ist aber gut betucht.“ Dieser Satz stammt aus einer Zeit, in der sich wohlhabende Männer bei einem Herrenschneider edle Stoffe aussuchten und eine maßgeschneiderte Garderobe fertigen ließen. Zwar gibt es auch heute noch Herrenschneider, doch an Stelle des Handwerksmeisters ist der Einzelhandel mit den Herrenausstatter-Fachgeschäften getreten. Der Neustadter Herrenausstatter Markus Schmitt vom Modehaus Schmitt kennt einige Erzählungen von den „alten Zeiten“.

Sein Großvater Alois Schmitt hat das Unternehmen bereits im Jahr 1931 gegründet. Damals war der Firmensitz noch in Speyer. „Als mein Opa 17 Jahre alt war, lernte er das Handwerk am kaiserlichen Hof in Berlin.
Dann folgten seine Wanderjahre. Als es in Speyer freie Geschäftsräume gab, übernahm er sie“, erinnert sich Markus Schmitt. Danach musste sein Großvater zunächst die Kriegsjahre überstehen, die die Herrenausstatter im Land zum „Recycling“ zwangen. Dann wurden die Uniformen zu Mänteln verarbeitet oder Altbestände einfach umgenäht. Als sich das Stoffgeschäft von diesen schwierigen, wirtschaftlichen Jahren wieder erholt hatte, waren auch Maßanzüge wieder gefragt. „Mein Großvater arbeitete bis Anfang der 70er Jahre mit fünf Angestellten in der Maßschneiderei“, erzählt Schmitt. Zunächst aber siedelte sich Markus Schmitts Vater Norbert in Neustadt an, als er 1959 die Räume der Firma Kübler in der Kellereistraße/Ecke Hauptstraße mietete. 1990 zog das Einzelhandelsunternehmen dann in eigene Räume an den Marktplatz, wo seitdem rund 850 Quadratmeter Verkaufsfläche bespielt werden. Ein weiteres Standbein befindet sich wenige Meter entfernt in der Kellereistraße, dort lockt das Geschäft „Marc S-Trendstore“. Für Markus Schmitt sind seine 24 Angestellten das absolute Qualitätsmerkmal. „Wir haben ein tolles Team, wenig Fluktuation und bilden selbst aus. Eine überdurchschnittliche Bezahlung und die Einbindung in Entscheidungsprozesse sollen motivieren“, betont Schmitt. Sein Personal stehe mit in der Verantwortung, wenn neue Ware geordert wird. Mehrmals im Jahr geht Schmitt auf Einkaufstour nach Düsseldorf, München, Frankfurt, Stuttgart und Berlin, auch der Besuch von Modemessen steht auf den Plan. „Wirwollen die Kontrolle über den Einkauf behalten“, betont Schmitt, bevor er ergänzt: „Es gibt auch Orderzentren, aber da bewegtman sich meist nur in eingefahrenen Lieferantengleisen. Wir können uns dagegen die Sahnestückchen aus den Kollektionen heraussuchen. Darauf sind wir stolz.“

„Internet keine Konkurrenz“
Im RHEINPFALZ-Gespräch erklärt Schmitt, dass er sich auf das Ende der Hertie-Baustelle freue. Modehäuser wie Mango und Zara würde er hier begrüßen. Schmitt wünscht sich zudem, dass auch H&M wieder in Neustadt vertretenwäre. „H&M hatte uns gut getan, wir lebten doch alle hier von der Kundenfrequenz.“ Das Internet stelle für seine Branche keine wesentliche Konkurrenz dar: Nach den jüngsten Zahlen betrage der Modeeinkauf über das Internet rund 15 Prozent, sagt Schmitt. Die restlichen 85 Prozent verblieben beim Einzelhandel, davon landeten etwa acht Prozent im Herrenfachhandel. Schmitt schmunzelt bei der Frage, wer denn eigentlich bei ihm am meisten einkaufe. „Vor zehn Jahren noch
waren die Kunden tatsächlich zu 70 Prozent Frauen, die für ihre Männer einkauften“, gesteht Schmitt. Mittlerweile seien die Herren emanzipierter geworden. So würden bei ihm im Modehaus schätzungsweise 60 Prozent der Käufe Männer tätigen. Allerdings, so ergänzt Schmitt: „Ältere Kunden werden durchaus von ihren Frauen überredet, mal wieder etwas Neues zu kaufen. Aber der moderne Mann ist an Mode interessiert und informiert sich gerne.“ Das hat auch das Liefervolumen verändert. Statt nur zwei große Liefertermine zum Saisonbeginn komme wöchentlich neue Ware. Schmitt blickt zuversichtlich in die Zukunft, sein Unternehmen verbuche Umsatzzuwächse. Nur gegen eines sperrt sich der Herrenausstatter: gegen Anfragen, ob er nicht auch ein Dameneinzelhandelsgeschäft in Neustadt eröffnen könne. Schmitt erklärt: „Dazu bräuchte man ein völlig anderes Fachwissen. Frauen zeigen ein ganz anderes Einkaufsverhalten. Das überlassen wir lieber anderen Geschäften.“

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